âSandra, macht die KI dich eigentlich arbeitslos?â
Die Frage kam aus der letzten Reihe, halb im SpaĂ. Ernst gemeint war sie trotzdem. Und ich bekomme sie in Weiterbildungen immer öfter gestellt.
Meine Antwort ĂŒberrascht dann meistens: Nein. Im Gegenteil.
Vor drei Jahren habe ich hier auf dem Blog gezeigt, wie ich ChatGPT nutze, um Bildideen fĂŒrs Flipchart zu finden. Mit Analogien, Metaphern â und Sommerschuhen. Damals war das ein Experiment. Heute ist es Routine: Ich nutze KI fast tĂ€glich.
Und trotzdem zeichne ich jedes Chart von Hand. Mal auf Papier, mal auf dem Tablet. Warum, das habe ich damals nicht dazugeschrieben. Das hole ich jetzt nach.
WofĂŒr ich KI nutze: als Sparringspartner
Wenn ich eine Weiterbildung oder ein Visual vorbereite, sitzt KI mit am Tisch. Ich nutze sie, um Inhalte zu strukturieren, lange Texte zusammenzufassen oder die Kernthemen aus einem Stoff herauszuarbeiten. Ich nutze sie, wenn ich Bildideen entwickle oder Metaphern brainstorme:
- Welche Bilder gibt es zum Thema VerĂ€nderung â jenseits des Schmetterlings?
- Wie könnte Schlagfertigkeit dargestellt werden, ohne den Boxhandschuh zu zeichnen (der meist als Erstes gewÀhlt wird, wenn es um dieses Thema geht)?
- Und versteht diese Metapher jemand auĂer mir?
Dabei arbeite ich mit denselben Denkwerkzeugen wie am Flipchart: Analogie, Synonym, Antonym, Ursache-Wirkung, Metapher. Wer diese fĂŒnf Begriffe kennt, kann KI gezielt fragen, statt nur âgib mir Ideenâ zu tippen und sich dann ĂŒber die Beliebigkeit zu wundern.
Wie du mit diesen Begriffen Schritt fĂŒr Schritt Bildideen entwickelst, zeige ich dir in diesem Artikel: âFlipchart und KI: Wie dir kĂŒnstliche Intelligenz bei der Flipchartgestaltung hilftâ (Artikel von 2023).
KI liefert mir dabei das Rohmaterial. Zwanzig Ideen in zehn Minuten, schnell und ungefiltert.
Und genau da beginnt meine eigentliche Arbeit: Ich kenne meine Zielgruppe. Ich weiĂ, was Trainer:innen im Seminarraum brauchen, welche Bilder tragen und welche nur hĂŒbsch aussehen. Aus zwanzig VorschlĂ€gen wird eine Idee â und die arbeite ich aus. Mit meinem Wissen ĂŒber Visualisierung, ĂŒber Menschen, ĂŒber den konkreten Raum, in dem das Bild spĂ€ter wirken soll.
KI ist mein Sparringspartner. Nicht mein Zeichner.
WofĂŒr ich KI nicht nutze: fĂŒrs Bild selbst
Gezeichnet wird danach von Hand. Auf Papier oder auf dem Tablet â aber immer von mir.
Warum? Ich stelle gern eine Gegenfrage: Was bekommst du lieber â einen handgeschriebenen Brief oder eine E-Mail?
WertschÀtzung zeigen
Brief und Mail transportieren genau dieselbe Information. Aber nur einer davon vermittelt dir das GefĂŒhl: Jemand hat sich Zeit fĂŒr dich genommen. Genau das tut ein handgezeichnetes Chart. Es sagt den Menschen im Raum: Ihr wart mir diese Vorbereitung wert. Diese WertschĂ€tzung kann kein generiertes Bild ersetzen, so perfekt es auch aussehen mag. Vielleicht sogar: gerade weil es so perfekt aussieht.
Original-versus-KI-Vergleich âVorstellungsflipchartâ
FĂŒr diesen Blogartikel habe ich ein Experiment gewagt: Zwei Flipcharts, die ich fĂŒr ein echtes Training gezeichnet habe, habe ich zum Vergleich zusĂ€tzlich von der KI erstellen lassen. Das Experiment habe ich mit ChatGPT und der Einstellung âBilder erstellenâ durchgefĂŒhrt.
Hier das Ergebnis zum Vorstellungsflipchart:
Im Bild 1 siehst du das Original. FĂŒr einen Workshop habe ich ein Flipchart erstellt, auf dem stichwortartig die wichtigsten Inhalte dazu symbolisiert sind, mit denen ich mich vorstellen wollte.
Bild 2 habe ich von der KI erstellen lassen. DafĂŒr habe ich der KI von mir erzĂ€hlt. AusschlieĂlich Inhalte, die ich auf dem Chart wiederfinden wollte (die gleichen wie im Original).

Bild 1: handgezeichnetes Original

Bild 2: KI-generiert
Der nĂ€chste Schritt: das KI-generierte Flipchart vereinfachen, denn es war mir noch zu voll. Deshalb habe ich es fĂŒr Bild 3 im Ăberarbeiten-Modus vereinfacht: âIch hĂ€tte das gerne mit weniger Farben. Sandra soll auf jeden Fall rot angezogen sein, und ich möchte es reduzierter und mit weniger Details."
AbschlieĂend wollte ich noch wissen, was passiert, wenn ich der KI nicht nur Inhalte vorgebe, sondern auch konkrete Layoutvorgaben mache â wenn ich also mein inneres Bild vom Ergebnis beschreibe. In Bild 4 siehst du das Ergebnis.

Bild 3: KI-generiert und in der Nachbearbeitung vereinfacht.

Bild 4: KI-generiert durch genaue Beschreibung von Inhalt und Layout
Jetzt bist du dran. Welche Unterschiede bemerkst du? An welchem Flipchart dockst du am meisten an und hast du eine ErklĂ€rung dafĂŒr, warum das so ist?
Der Moment, in dem das Bild allen gehört
Und dann gibt es noch etwas, das mir am wichtigsten ist und das im KI-GesprĂ€ch fast immer ĂŒbersehen wird.
Wenn eine Visualisierung gemeinsam mit den Teilnehmenden entsteht â wenn sie zuschauen, wie das Bild wĂ€chst, wenn sie vielleicht sogar selbst zum Stift greifen und ihre Worte und Zeichen ergĂ€nzen â, dann passiert etwas, das kein Bildgenerator der Welt erzeugen kann: Verbindung.
Es entsteht das GefĂŒhl: Das ist meins. Das ist unseres. Die Teilnehmenden identifizieren sich mit dem Ergebnis, weil sie daran beteiligt waren. Und weil sie den Entstehungsprozess miterlebt haben, merken sie sich die Inhalte. Denn das Bild ist in ihrem Kopf mitgewachsen, Strich fĂŒr Strich.
All das wĂŒrde nicht entstehen, wenn auf Knopfdruck ein KI-Bild erscheint oder den Menschen am Ende nur gezeigt wird. Ein vorgesetztes Bild kann schön sein. Aber niemand im Raum hat es mitentwickelt oder damit weitergedacht â und deshalb identifiziert sich auch niemand damit.
Damit meine Teilnehmenden Lust haben, ihre eigenen Wortmeldungen oder Bildideen am Flipchart oder der Pinnwand zu ergÀnzen. Erstelle ich oft vorbereitete Flipcharts, die viel Platz zum ErgÀnzen lassen.
Original-versus-KI-Vergleich âRiemann-Thomann-Modellâ
Auch hier habe ich dir ein Original-Flipchart mitgebracht und zu Versuchszwecken auch von der KI generieren lassen.

Bild 5: handgezeichnet | Riemann-Thomann-Modell

Bild 6: KI-generiert | Riemann-Thomann-Modell

Bild 7: KI-generiert | Riemann-Thomann-Modell mit detailliertem Prompt und eigenen Bildideen
Ăbrigens: In beiden KI-Versionen fehlt im Modellnamen ein ân" â aus âRiemann-Thomann" wurde âRiemann-Thoman". Das kann am Prompt liegen (Diktierfunktion; eigener Schreibfehler) oder an der KI. Auch deshalb wĂŒrde ich ein solches Chart nie ungeprĂŒft vor eine Gruppe hĂ€ngen.
Schau dir die drei Charts noch einmal an: Was fÀllt dir auf?
Mich zieht das handgezeichnete Original am meisten an. Klar, du denkst jetzt vielleicht: kein Wunder, es ist ja ihr eigenes Bild. Aber ich glaube, es liegt an anderen Dingen: Es hebt sich ab, wirkt natĂŒrlicher, lebendiger â und es gibt noch mehr GrĂŒnde, fĂŒr die ich einfach keine Worte finde. Vielleicht geht es dir Ă€hnlich.
Was KI nicht kann: fĂŒhren
FĂŒhren heiĂt fĂŒr mich nicht: bestimmen, wo es langgeht.
FĂŒhren heiĂt: eine Richtung geben und dann die Menschen so unterstĂŒtzen, dass sie ihr Bestes geben können. Genau das tue ich mit dem Stift.
Ich gebe Orientierung, halte Gedanken fest, mache sichtbar, was im Raum entsteht, und lade dazu ein, selbst etwas beizutragen. FĂŒhren mit dem Stift heiĂt: Menschen ins Mitdenken und Mitmachen zu bringen.
Genau das kann KI nicht. Sie kann Bilder erzeugen â aber sie kann nicht innehalten, wenn eine Frage im Raum steht. Nicht nachfragen, wenn ein Begriff bekannt, aber doch unklar ist. Nicht die stille Teilnehmerin einladen, ihren Gedanken dazuzuschreiben.
Und sie merkt nicht, wenn eine Pause etwas bedeutet.
KI beschleunigt das Denken. Der Stift vertieft es.
Was das fĂŒr Weiterbildungen bedeutet
In meinen Weiterbildungen gehört KI deshalb ganz selbstverstĂ€ndlich dazu â als Werkzeug in der Vorbereitung. Ich zeige meinen 1:1-Kund:innen und Trainerteams, wie sie KI als Sparringspartner nutzen: Bildideen finden, Metaphern prĂŒfen, Inhalte strukturieren. FĂŒr alle, die mit mir zusammenarbeiten, gibt es auĂerdem individualisierte Prompts oder einen Custom-GPT â gefĂŒttert mit meinem Visualisierungswissen, damit die VorschlĂ€ge nicht beliebig bleiben.
Visualisiert wird von Hand â vor der Gruppe oder mit der Gruppe. Denn genau dort entsteht das, worum es eigentlich geht: Beteiligung.
Was es fĂŒr dich bedeutet
Ein wichtiger Tipp zum Schluss: Wenn du Visualisierungen fĂŒr deine Seminare erstellst, ĂŒberlege zuerst selbst, ob du eine Bildidee dazu hast. Denn dadurch bleibt deine innere KreativitĂ€tsmaschine gut geölt und du kannst auch live im Seminar Bildideen aus dem Ărmel schĂŒtteln.
Wenn Bildideen dagegen nur noch per KI-Knopfdruck entstehen, verlagert sich diese Arbeit nach auĂen. Die eigene Ideenmaschine bekommt seltener Gelegenheit zu laufen â und genau die brauchst du live vor der Gruppe, wenn kein Prompt-Fenster zur Hand ist.
Und wenn du es konkret ausprobieren willst
Wie du KI Schritt fĂŒr Schritt fĂŒr Bildideen nutzt, zeige ich dir in diesem Artikel: âFlipchart und KI: Wie dir kĂŒnstliche Intelligenz bei der Flipchartgestaltung hilftâ (Artikel von 2023).
Du möchtest visualisieren lernen â mit Stift und mit klugem KI-Einsatz? Dann lass uns in einem KennenlerngesprĂ€ch herausfinden, was zu dir passt.
Du entscheidest ĂŒber die Weiterbildung eines ganzen Trainerteams? Dann schau dir an, wie âFĂŒhren mit dem Stift" als Weiterbildungsweg aussieht.
Denn Klarheit beginnt mit dem ersten Strich.






