21. Juli 2026

0 Kommentare

Warum ich als Visualisiererin KI nutze – und trotzdem von Hand zeichne

Von Sandra

21. Juli 2026


„Sandra, macht die KI dich eigentlich arbeitslos?“

Die Frage kam aus der letzten Reihe, halb im Spaß. Ernst gemeint war sie trotzdem. Und ich bekomme sie in Weiterbildungen immer öfter gestellt.

Meine Antwort ĂŒberrascht dann meistens: Nein. Im Gegenteil.

Vor drei Jahren habe ich hier auf dem Blog gezeigt, wie ich ChatGPT nutze, um Bildideen fĂŒrs Flipchart zu finden. Mit Analogien, Metaphern – und Sommerschuhen. Damals war das ein Experiment. Heute ist es Routine: Ich nutze KI fast tĂ€glich.

Und trotzdem zeichne ich jedes Chart von Hand. Mal auf Papier, mal auf dem Tablet. Warum, das habe ich damals nicht dazugeschrieben. Das hole ich jetzt nach.

WofĂŒr ich KI nutze: als Sparringspartner

Wenn ich eine Weiterbildung oder ein Visual vorbereite, sitzt KI mit am Tisch. Ich nutze sie, um Inhalte zu strukturieren, lange Texte zusammenzufassen oder die Kernthemen aus einem Stoff herauszuarbeiten. Ich nutze sie, wenn ich Bildideen entwickle oder Metaphern brainstorme:

  • Welche Bilder gibt es zum Thema VerĂ€nderung – jenseits des Schmetterlings?
  • Wie könnte Schlagfertigkeit dargestellt werden, ohne den Boxhandschuh zu zeichnen (der meist als Erstes gewĂ€hlt wird, wenn es um dieses Thema geht)?
  • Und versteht diese Metapher jemand außer mir?

Dabei arbeite ich mit denselben Denkwerkzeugen wie am Flipchart: Analogie, Synonym, Antonym, Ursache-Wirkung, Metapher. Wer diese fĂŒnf Begriffe kennt, kann KI gezielt fragen, statt nur „gib mir Ideen“ zu tippen und sich dann ĂŒber die Beliebigkeit zu wundern. 

Wie du mit diesen Begriffen Schritt fĂŒr Schritt Bildideen entwickelst, zeige ich dir in diesem Artikel: „Flipchart und KI: Wie dir kĂŒnstliche Intelligenz bei der Flipchartgestaltung hilft“ (Artikel von 2023).

KI liefert mir dabei das Rohmaterial. Zwanzig Ideen in zehn Minuten, schnell und ungefiltert.

Und genau da beginnt meine eigentliche Arbeit: Ich kenne meine Zielgruppe. Ich weiß, was Trainer:innen im Seminarraum brauchen, welche Bilder tragen und welche nur hĂŒbsch aussehen. Aus zwanzig VorschlĂ€gen wird eine Idee – und die arbeite ich aus. Mit meinem Wissen ĂŒber Visualisierung, ĂŒber Menschen, ĂŒber den konkreten Raum, in dem das Bild spĂ€ter wirken soll. 

KI ist mein Sparringspartner. Nicht mein Zeichner.

WofĂŒr ich KI nicht nutze: fĂŒrs Bild selbst

Gezeichnet wird danach von Hand. Auf Papier oder auf dem Tablet – aber immer von mir.

Warum? Ich stelle gern eine Gegenfrage: Was bekommst du lieber – einen handgeschriebenen Brief oder eine E-Mail?

WertschÀtzung zeigen

Brief und Mail transportieren genau dieselbe Information. Aber nur einer davon vermittelt dir das GefĂŒhl: Jemand hat sich Zeit fĂŒr dich genommen. Genau das tut ein handgezeichnetes Chart. Es sagt den Menschen im Raum: Ihr wart mir diese Vorbereitung wert. Diese WertschĂ€tzung kann kein generiertes Bild ersetzen, so perfekt es auch aussehen mag. Vielleicht sogar: gerade weil es so perfekt aussieht. 

Original-versus-KI-Vergleich „Vorstellungsflipchart“

FĂŒr diesen Blogartikel habe ich ein Experiment gewagt: Zwei Flipcharts, die ich fĂŒr ein echtes Training gezeichnet habe, habe ich zum Vergleich zusĂ€tzlich von der KI erstellen lassen. Das Experiment habe ich mit ChatGPT und der Einstellung „Bilder erstellen“ durchgefĂŒhrt.

Hier das Ergebnis zum Vorstellungsflipchart:

Im Bild 1 siehst du  das Original. FĂŒr einen Workshop habe ich ein Flipchart  erstellt, auf dem stichwortartig die wichtigsten Inhalte dazu symbolisiert sind, mit denen ich mich vorstellen wollte.

Bild 2 habe ich von der KI erstellen lassen. DafĂŒr habe ich der KI von mir erzĂ€hlt. Ausschließlich Inhalte, die ich auf dem Chart wiederfinden wollte (die gleichen wie im Original).

Von Sandra Reithmayr handgezeichnetes Vorstellungschart im Eisberg-Motiv mit Flaggen fĂŒr Salzburg und Hamburg

Bild 1: handgezeichnetes Original

Vollfarbig ausgearbeitetes KI-generiertes Vorstellungschart von Sandra Reithmayr mit realistischer Portrait-Illustration

Bild 2: KI-generiert

Der nĂ€chste Schritt: das KI-generierte Flipchart vereinfachen, denn es war mir noch zu voll. Deshalb habe ich es fĂŒr Bild 3 im Überarbeiten-Modus vereinfacht: „Ich hĂ€tte das gerne mit weniger Farben. Sandra soll auf jeden Fall rot angezogen sein, und ich möchte es reduzierter und mit weniger Details."

Abschließend wollte ich noch wissen, was passiert, wenn ich der KI nicht nur Inhalte vorgebe, sondern auch konkrete Layoutvorgaben mache – wenn ich also mein inneres Bild vom Ergebnis beschreibe. In Bild 4 siehst du das Ergebnis.

Vereinfachtes KI-generiertes Vorstellungschart von Sandra Reithmayr mit Stationen Salzburg und Hamburg, ihren Ausbildungen und TĂ€tigkeiten

Bild 3: KI-generiert und in der Nachbearbeitung vereinfacht.

Stark vereinfachtes KI-generiertes Vorstellungschart von Sandra Reithmayr mit Stationen Salzburg und Hamburg, sowie Sandras Ausbildungen, TĂ€tigkeiten und Schwerpunkten der Arbeit.

Bild 4: KI-generiert durch genaue Beschreibung von Inhalt und Layout

Jetzt bist du dran. Welche Unterschiede bemerkst du? An welchem Flipchart dockst du am meisten an und hast du eine ErklĂ€rung dafĂŒr, warum das so ist?

Der Moment, in dem das Bild allen gehört

Und dann gibt es noch etwas, das mir am wichtigsten ist und das im KI-GesprĂ€ch fast immer ĂŒbersehen wird.

Wenn eine Visualisierung gemeinsam mit den Teilnehmenden entsteht – wenn sie zuschauen, wie das Bild wĂ€chst, wenn sie vielleicht sogar selbst zum Stift greifen und ihre Worte und Zeichen ergĂ€nzen –, dann passiert etwas, das kein Bildgenerator der Welt erzeugen kann: Verbindung.

Es entsteht das GefĂŒhl: Das ist meins. Das ist unseres. Die Teilnehmenden identifizieren sich mit dem Ergebnis, weil sie daran beteiligt waren. Und weil sie den Entstehungsprozess miterlebt haben, merken sie sich die Inhalte. Denn das Bild ist in ihrem Kopf mitgewachsen, Strich fĂŒr Strich.

All das wĂŒrde nicht entstehen, wenn auf Knopfdruck ein KI-Bild erscheint oder den Menschen am Ende nur gezeigt wird. Ein vorgesetztes Bild kann schön sein. Aber niemand im Raum hat es mitentwickelt oder damit weitergedacht – und deshalb identifiziert sich auch niemand damit.

Damit meine Teilnehmenden Lust haben, ihre eigenen Wortmeldungen oder Bildideen am Flipchart oder der Pinnwand zu ergÀnzen. Erstelle ich oft vorbereitete Flipcharts, die viel Platz zum ErgÀnzen lassen.

Original-versus-KI-Vergleich „Riemann-Thomann-Modell“

Auch hier habe ich dir ein Original-Flipchart mitgebracht und zu Versuchszwecken auch von der KI generieren lassen.

Von Sandra Reithmayr handgezeichnetes Flipchart zum Riemann-Thomann-Modell mit Turm, Gruppe, Schranke und Jongleur als Symbolfiguren

Bild 5: handgezeichnet | Riemann-Thomann-Modell

KI-generiertes Flipchart zum Riemann-Thomann-Modell mit Haus-, Gruppen- und Wegweiser-Symbolen auf hellblauem Flipchartpapier

Bild 6: KI-generiert | Riemann-Thomann-Modell

mit detailliertem Prompt und eigenen Bildideen

Bild 7: KI-generiert | Riemann-Thomann-Modell mit detailliertem Prompt und eigenen Bildideen

Übrigens: In beiden KI-Versionen fehlt im Modellnamen ein „n" – aus „Riemann-Thomann" wurde „Riemann-Thoman". Das kann am Prompt liegen (Diktierfunktion; eigener Schreibfehler) oder an der KI. Auch deshalb wĂŒrde ich ein solches Chart nie ungeprĂŒft vor eine Gruppe hĂ€ngen.

Schau dir die drei Charts noch einmal an: Was fÀllt dir auf?

Mich zieht das handgezeichnete Original am meisten an. Klar, du denkst jetzt vielleicht: kein Wunder, es ist ja ihr eigenes Bild. Aber ich glaube, es liegt an anderen Dingen: Es hebt sich ab, wirkt natĂŒrlicher, lebendiger – und es gibt noch mehr GrĂŒnde, fĂŒr die ich einfach keine Worte finde. Vielleicht geht es dir Ă€hnlich.

Was KI nicht kann: fĂŒhren

FĂŒhren heißt fĂŒr mich nicht: bestimmen, wo es langgeht.

FĂŒhren heißt: eine Richtung geben und dann die Menschen so unterstĂŒtzen, dass sie ihr Bestes geben können. Genau das tue ich mit dem Stift.

Ich gebe Orientierung, halte Gedanken fest, mache sichtbar, was im Raum entsteht, und lade dazu ein, selbst etwas beizutragen. FĂŒhren mit dem Stift heißt: Menschen ins Mitdenken und Mitmachen zu bringen.

Genau das kann KI nicht. Sie kann Bilder erzeugen – aber sie kann nicht innehalten, wenn eine Frage im Raum steht. Nicht nachfragen, wenn ein Begriff bekannt, aber doch unklar ist. Nicht die stille Teilnehmerin einladen, ihren Gedanken dazuzuschreiben.

Und sie merkt nicht, wenn eine Pause etwas bedeutet. 

KI beschleunigt das Denken. Der Stift vertieft es.

Was das fĂŒr Weiterbildungen bedeutet

In meinen Weiterbildungen gehört KI deshalb ganz selbstverstĂ€ndlich dazu – als Werkzeug in der Vorbereitung. Ich zeige meinen 1:1-Kund:innen und Trainerteams, wie sie KI als Sparringspartner nutzen: Bildideen finden, Metaphern prĂŒfen, Inhalte strukturieren. FĂŒr alle, die mit mir zusammenarbeiten, gibt es außerdem individualisierte Prompts oder einen Custom-GPT – gefĂŒttert mit meinem Visualisierungswissen, damit die VorschlĂ€ge nicht beliebig bleiben.

Visualisiert wird von Hand – vor der Gruppe oder mit der Gruppe. Denn genau dort entsteht das, worum es eigentlich geht: Beteiligung.

Was es fĂŒr dich bedeutet

Ein wichtiger Tipp zum Schluss: Wenn du Visualisierungen fĂŒr deine Seminare erstellst, ĂŒberlege zuerst selbst, ob du eine Bildidee dazu hast. Denn dadurch bleibt deine innere KreativitĂ€tsmaschine gut geölt und du kannst auch live im Seminar Bildideen aus dem Ärmel schĂŒtteln.

Wenn Bildideen dagegen nur noch per KI-Knopfdruck entstehen, verlagert sich diese Arbeit nach außen. Die eigene Ideenmaschine bekommt seltener Gelegenheit zu laufen – und genau die brauchst du live vor der Gruppe, wenn kein Prompt-Fenster zur Hand ist.

Und wenn du es konkret ausprobieren willst

Wie du KI Schritt fĂŒr Schritt fĂŒr Bildideen nutzt, zeige ich dir in diesem Artikel: „Flipchart und KI: Wie dir kĂŒnstliche Intelligenz bei der Flipchartgestaltung hilft“ (Artikel von 2023).

Du möchtest visualisieren lernen – mit Stift und mit klugem KI-Einsatz? Dann lass uns in einem KennenlerngesprĂ€ch herausfinden, was zu dir passt.

Du entscheidest ĂŒber die Weiterbildung eines ganzen Trainerteams? Dann schau dir an, wie „FĂŒhren mit dem Stift" als Weiterbildungsweg aussieht.

Denn Klarheit beginnt mit dem ersten Strich.

Warum ich als Visualisiererin KI nutze – und trotzdem von Hand zeichne

„Sandra, macht die KI dich eigentlich arbeitslos?“ Die Frage kam aus der

Mehr dazu

Hilfe, ein leeres Blatt! Flipchart gestalten ohne Vorlage – Schritt fĂŒr Schritt

Eigentlich war ich einfach nur als Teilnehmerin beim Journaling-Barcamp 2026 in Hamburg.

Mehr dazu

Stimmige Farbe am Flipchart – mit diesem Trick gelingt es bestimmt

Du gestaltest lange an einem Flipchart und dann geht es auf den

Mehr dazu
{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Werde Teil der Visualisierungs-Community!

Über meine Online-Post bekommst du neues rund um die Themen Visualisierung, Flipchartgestaltung, Sketchnoting sowie persönliche und berufliche Weiterentwicklung direkt in dein Mail-Postfach.

>